Direkt zum Hauptbereich

IRRTUM: Um an der EM teilzunehmen, muss man in der EU sein

 Insbesondere befeuert durch die Missgunst über das erfolgreiche Turnier der Engländer kam während der Europameisterschaft 2020/21 in den sozialen Medien vermehrt die Frage auf, warum England überhaupt an der EM teilnehmen dürfe, nachdem es doch aus der EU ausgetreten sei. Auch andere Nicht-EU-Länder, die an Europameisterschaften teilnehmen, sehen sich immer wieder dieser Frage gegenüber.

Die Antwort ist einfach: Ausrichter der Europameisterschaft ist nicht die Europäische Union, sondern der europäische Fußballverband UEFA. Bedingung zur Teilnahme an der EM und anderen europäischen Fußballwettkämpfen wie der Champions League ist also nicht die EU-, sondern die UEFA-Mitgliedschaft. Diese ist nach UEFA-Statuten keineswegs an eine EU-Mitgliedschaft gebunden, sondern lediglich an die geographische Lage in Europa – und selbst davon kann in Ausnahmefällen abgesehen werden[i]. Derzeit gibt es 23 UEFA-Verbände, deren Nation zwar zweifelsfrei in Europa liegt, aber kein EU-Mitglied ist – neben England (und den anderen britischen Verbänden) auch einige osteuropäische Verbände wie die Ukraine und beliebte (und daher selten angegangene) Verbände wie Island, die Schweiz oder Norwegen; dazu kommen fünf Verbände, die nicht einmal in einem europäischen Land sitzen, darunter neben dem Grenzfall Türkei zum Beispiel auch Israel und Aserbaidschan[ii]. EM-Teilnahme und EU-Mitgliedschaft haben also nichts miteinander zu tun.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

IRRTUM: Oliver Bierhoff erzielte das erste Golden Goal

  1993 wurde die umstrittene Golden Goal -Regel eingeführt (um 2004 wieder abgeschafft zu werden). Die Regel besagte, dass eine Verlängerung durch das erste Tor entschieden werden würde. 1996 schoss Oliver Bierhoff die deutsche Nationalmannschaft per Golden Goal zum Europameistertitel, und ein besonders hartnäckiger Irrtum besagt, dies sei das erste Golden Goal der Fußballgeschichte gewesen. Nicht nur am Stammtisch kursiert diese Behauptung, auch zahlreiche Fachbücher und Sportmedien verbreiten sie immer wieder. Zuletzt war sie in Rückblicken auf die EM 96 im Vorfeld der EM 2021 vermehrt zu hören. Doch falsch ist sie trotzdem. Der 1868 ausgetragene Cromwell Cup war das zweite Fußballturnier der Weltgeschichte (und das erste im KO-Modus ausgetragene Turnier überhaupt). Im Finale standen sich The Wednesday (heute Sheffield Wednesday) und der Garrick FC gegenüber. Vor dem Spiel vereinbarten die Kapitäne, dass im Falle einer Verlängerung das erste Tor entscheiden würde. Man nannt...

IRRTUM: Eine Doppelbestrafung (Rote Karte und Elfmeter für ein Foul) ist verboten

 Vor ein paar Tagen hatte die deutsche Frauennationalmannschaft bei der Europameisterschaft einen herben Rückschlag zu beklagen: Das letzte Vorrundenspiel gegen Schweden ging mit sage und schreibe 1:4 verloren. Ein Aspekt des Debakels: Beim Stand von 1:2 klärte Abwehrspielerin Carlotta Wamser einen Torschuss mit der Hand auf der deutschen Torlinie – Platzverweis für Wamser und Elfmeter für Schweden. Fridolina Rolfö verwandelte zum 3:1 aus schwedischer Sicht. Und in Deutschland gab es einen Aufschrei. Denn man wurde ja doppelt bestraft – mit einer roten Karte und einem Elfmeter! Und ist nicht die Doppelbestrafung (manchmal auch als Dreifachbestrafung bezeichnet, weil ja auch noch eine Sperre für den Rotsünder folgt) heutzutage verboten?   Nein. Die so oft diskutierte „Abschaffung der Doppelbestrafung“ bezieht sich auf eine ganz bestimmte Situation, nämlich auf die sogenannte Notbremse. Eine Notbremse liegt vor, wenn eine direkte Torchance durch ein Foul vereitelt wird. Bi...

IRRTUM: Es gibt keinen Bayernbonus, und Fehlentscheidungen gleichen sich im Laufe einer Saison aus

  Zu den meistdiskutierten Phänomenen in der deutschen Bundesliga gehört zweifelsohne der sogenannte „Bayern-Bonus“. Der Vorwurf der Fans aller deutschen Vereine außer dem FC Bayern München: Die Bayern genießen einen besonderen Schutz, ja nachgerade eine Unterstützung durch die Schiedsrichter. Fällt ein Bayernspieler im gegnerischen Strafraum, dann gibt es sofort Elfmeter; im Strafraum der Bayern kann dagegen nach Belieben und folgenlos gezogen und getreten werden. Wer gegen Bayern spielt, sieht für ein gelbwürdiges Foul gerne mal Rot, wer für Bayern spielt dagegen auch für klar rotwürdige Fouls schlimmstenfalls Gelb. Und führen die Bayern dann am Ende der 90 Minuten knapp, wird sofort abgepfiffen; liegen sie hingegen knapp zurück, wird das Spiel so lange verlängert, bis sie endlich zum Ausgleich treffen. Bayernfans und -funktionäre bezweifeln diese Sicht naturgemäß, schieben sie auf Neid und Missgunst und behaupten, einzelne Fehlentscheidungen glichen sich im Laufe einer Saiso...