Es ist vielleicht der größte, wichtigste Mythos des Fußballs – die Abhängigkeit der Leistung einer Mannschaft vom Support der Fans. Jeder Fußballfan erinnert sich an Spiele, in denen die euphorisierten Fans ihr Team zum Sieg gesungen haben; die fantastische Stadionatmosphäre, die die Spieler zu Höchstleistungen antreibt, ist so fester Bestandteil der Fußballfolklore geworden.
Es tut dem Fanherz also weh zu hören, dass die Unterstützung von den Rängen die Leistungen der Mannschaft und die Saisonergebnisse praktisch nicht beeinflusst. Leider ist das das eindeutige Ergebnis diverser Studien zum Thema.
In der Saison 2006/2007 fanden in der ersten italienischen Liga 20 Spiele aus Sicherheitsgründen ohne Zuschauer statt. Im Vergleich dieser Spiele mit den übrigen Partien der Saison ließen sich keine Unterschiede bezüglich des Heimvorteils, der Spielerleistung, der Zahl an Toren etc. erkennen[i]. Die Geisterspiele in der deutschen Bundesliga während der Corona-Pandemie 2019/2020 ließen noch genauere Studien zu. Die Ergebnisse schwankten dabei von Studie zu Studie etwas und meist wurde tatsächlich ein geringerer Heimvorteil im Vergleich zu Partien mit Zuschauern diagnostiziert. Dieser drückte sich aber fast ausschließlich in Schiedsrichterentscheidungen aus. So wurden in Geisterspielen etwa 6% mehr Fouls gegen das Heimteam gepfiffen, während die Auswärtsmannschaften um 12% weniger gelbe Karten sahen[ii]. Gleichzeitig änderte sich an der Zahl der Torschüsse oder der gewonnenen Zweikämpfe, an der Passgenauigkeit oder der Laufleistung gar nichts.
Der Einfluss der Fans auf das Spielergebnis scheint sich also bedauernswerter Weise auf die Beeinflussung des Schiedsrichters durch sozialen Druck zu beschränken. Und selbst das gilt laut mehreren Studien in erster Linie für die Bundesliga: Weder in der zweiten Liga noch in den anderen europäischen Ligen konnte der Effekt so deutlich nachgewiesen werden…[iii]
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