Erstaunlich hartnäckig hält sich unter Fußballfans und auch unter vielen Experten die Vorstellung, im Leistungsfußball gäbe es praktisch kein Doping. Denn Fußball sei ja schließlich keine Ausdauersportart – entscheidend für den Erfolg seien auch Dinge wie Ballgefühl und Spielübersicht, die man durch Medikamente nicht verbessern könne. Daher sei Doping im Fußball sinnlos.
Dieser naiven Haltung stehen natürlich die zahlreichen bekannten Doping-Fälle im Fußball gegenüber – die Wikipedia-Kategorie „Dopingfall im Fußball“ enthält immerhin 328 Einträge, darunter auch große Namen wie Jap Staam (der 2002 positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getestet wurde), Pep Guardiola (2001 ebenfalls der Einnahme von Nandrolon überführt) oder natürlich Diego Maradona (dem unter anderem 1994 die Einnahme des Appetitzüglers Ephedrin nachgewiesen wurde)[i]. Dazu kommen Hinweise auf gigantische Dunkelziffern. Denn die Kontrollen im Fußball sind verhältnismäßig locker, Dopingsünder haben gute Chancen, irgendwie durchzukommen. Der Ex-Profi Lotfi El Bousidi etwa befragte für seine Diplomarbeit im Fach Statistik 2017 Profifußballer anonym nach ihren Dopingerfahrungen. Anhand der Ergebnisse schätzte er den Anteil an gedopten Spielern in der Bundesliga auf 10 bis 35 Prozent[ii].
Fakt ist: Doping im Fußball bringt entgegen dem Volksglauben durchaus Resultate. Natürlich wird aus einem Kreisligaspieler durch Medikamente kein Messi, aber innerhalb der hohen Leistungsdichte in den Spitzenligen können Doping-Folgen wie erhöhte Ausdauer und größere Kraft den entscheidenden Unterschied machen. Laut dem Anti-Doping-Forscher Prof. Dr. Dr. Perikles Simon lohnen sich für Profifußballer insbesondere die Einnahme von „Cortison, Testosteron, Insulin und Wachstumshormonen[iii]“.
Cortison verringert Müdigkeit, steigert die Leistung und die Schmerzgrenze. Da Cortison Asthmatikern verschrieben wird, gelten für Sportler mit Asthma Sonderregelungen, die die Einnahme erlauben. Der ungewöhnlich hohe Anteil an Asthmatikern unter Spitzensportlern nährt hier schon seit langem den Verdacht, die Erkrankung werde in vielen Fällen nur vorgetäuscht, um ungestraft auf Cortison zugreifen zu können[iv]. An der WM 2010 nahmen offenbar mindestens 25 Spieler teil, denen die Einnahme eines cortisonhaltigen Asthmamittels wie Salburtamol oder Bethametasone genehmigt war – darunter vier deutsche Nationalspieler[v].
Testosteron baut Muskeln auf, was für Fußballer in größeren Maßstäben unattraktiv ist – Muskelberge über den Platz zu schleppen ist wenig leistungsfördernd. In kleinerem Maße aber helfen testosteronhaltige Mittel wie das bereits erwähnte Nandrolon bei der Muskelregeneration; der Sportler erholt sich also schneller. Zusätzlich wird er aggressiver und euphorischer – auch das hat sich im Fußball als nützlich erwiesen.
Insulin unterstützt die Fettverbrennung und die Nährstoffversorgung des Körpers. Für den Fußballer ist vor allem interessant, dass sich so die Ausdauer deutlich erhöhen lässt. Ein Spieler, dem Insulin verabreicht wurde, wird vor allem in der Schlussphase des Spiels profitieren, wenn die Konkurrenz langsam abbaut.
Wachstumshormone können ebenfalls den Muskelaufbau und damit die Kraft des Spielers steigern; sie sind aber vor allem im Jugendfußball interessant, wo sie Nachwuchstalenten zur Verbesserung des Wachstums verabreicht werden können – nicht nur Torwarte haben einen Vorteil davon, nicht allzu klein zu bleiben…
Die Nationale Anti-Doping-Agentur weist zudem auf das Thema „Doping zur Regeneration“ hin. In einem Statement gegenüber der Rheinischen Post ließ sie verlauten: „Es geht im Fußball darum, die Regeneration zu beschleunigen, Verletzungen schneller und effektiver zu behandeln und damit die Rekonvaleszenz zu verkürzen. Werden dazu verbotene Substanzen und Methoden eingesetzt, ist das ebenfalls Doping.“ Und: „Doping macht durchaus auch im Fußball Sinn.[vi]“
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