Direkt zum Hauptbereich

IRRTUM: Ein Spiel dauert 90 Minuten

 "Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten!" Das ist vielleicht Sepp Herbergers bekannteste Fußballweisheit. Was banal klingt, ist nicht wörtlich zu verstehen gewesen, sondern als Hinweis, dass im Fußball alles passieren kann. Wörtlich ist es auch nicht ganz richtig.

Durch Nachspielzeit beträgt die Bruttospielzeit einer professionellen Fußballpartie im Schnitt etwa 95 bis 96 Minuten[i]. Da die Nachspielzeit aber nie ausreicht, um all die durch ruhende Bälle und andere Unterbrechungen verlorene Zeit nachzuholen, liegt die Nettospielzeit eines Fußballspiels, die Zeit, in der tatsächlich Fußball gespielt wird, meist bei um die 65 Minuten[ii].

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

IRRTUM: Eine Doppelbestrafung (Rote Karte und Elfmeter für ein Foul) ist verboten

 Vor ein paar Tagen hatte die deutsche Frauennationalmannschaft bei der Europameisterschaft einen herben Rückschlag zu beklagen: Das letzte Vorrundenspiel gegen Schweden ging mit sage und schreibe 1:4 verloren. Ein Aspekt des Debakels: Beim Stand von 1:2 klärte Abwehrspielerin Carlotta Wamser einen Torschuss mit der Hand auf der deutschen Torlinie – Platzverweis für Wamser und Elfmeter für Schweden. Fridolina Rolfö verwandelte zum 3:1 aus schwedischer Sicht. Und in Deutschland gab es einen Aufschrei. Denn man wurde ja doppelt bestraft – mit einer roten Karte und einem Elfmeter! Und ist nicht die Doppelbestrafung (manchmal auch als Dreifachbestrafung bezeichnet, weil ja auch noch eine Sperre für den Rotsünder folgt) heutzutage verboten?   Nein. Die so oft diskutierte „Abschaffung der Doppelbestrafung“ bezieht sich auf eine ganz bestimmte Situation, nämlich auf die sogenannte Notbremse. Eine Notbremse liegt vor, wenn eine direkte Torchance durch ein Foul vereitelt wird. Bi...

IRRTUM: Ball gespielt ist nie ein Foul

  Im letzten Beitrag haben wir uns mit dem Mythos beschäftigt, nur der sogenannte „letzte Mann“ dürfe eine rote Karte für ein torverhinderndes Foul sehen. Aber ein anderer Mythos ist noch verbreiteter und noch falscher: „Es ist nur ein Foul, wenn der Ball nicht gespielt wurde!“ Diese Überzeugung treibt in den sozialen Medien wilde Blüten. Da wird dann eine brutale Grätsche von hinten Bild für Bild analysiert, um herauszufinden, ob der grätschende Spieler irgendwann im Bewegungsablauf den Ball leicht touchiert hat – um dann stolz zu verkünden, die Szene sei ja wohl kein Foul gewesen, sondern „Ball gespielt“. Aber tatsächlich spielt es praktisch überhaupt keine Rolle, ob bei einem Foul der Ball gespielt wurde oder nicht. Foul ist Foul, unabhängig von einer Ballberührung. Die offiziellen Fußballregeln enthalten in der Erläuterung der Vergehen, die zu einem direkten Freistoß (bzw. zu einem Strafstoß) führen und in der Definition der Schwere eines Fouls nicht einen einzigen Satz...

IRRTUM: "Tor für Deutschland" ist ein gängiger Fluch in Brasilien

Im Halbfinale der WM 2014 im eigenen Lande wurde Brasilien bekanntermaßen in einem Jahrhundertspiel von der deutschen Nationalmannschaft mit 7:1 abgeschossen – eine der höchsten Niederlagen Brasiliens überhaupt, die höchste Niederlage, die es je in einem WM-K.O.-Spiel gegeben hatte und die höchste WM-Niederlage eines Gastgebers aller Zeiten. Kurz, ein spektakuläres Debakel aus brasilianischer Sicht. Natürlich hat sich das Spiel in beiden Ländern stark in der Fußball-Erinnerungskultur eingeprägt, bis heute wird immer wieder daran erinnert. Und in Deutschland tauchen dann immer wieder zahlreiche kleine Geschichten darüber auf, wie Brasilien dem Desaster ironisch oder wehmütig gedenkt – etwa mit dem Craft-Beer „7:1“, das sieben Zutaten aus Deutschland und brasilianisches Wasser enthält… Eine der beliebtesten Anekdoten, auch in seriösen Medien, ist die, gol da alemanha („Tor für Deutschland“) sei mittlerweile in die brasilianische Umgangssprache eingegangen und werde ausgerufen, wenn jem...