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IRRTUM: Fußballer sind überbezahlt

 Die Mutter aller Fußball-Hasser-Tiraden. Neidtriefende Kommentare in den sozialen Medien werfen den Fußballern bei jeder Gelegenheit die Höhe ihres Gehaltes vor, „Millionäre“ wird dann als Schimpfwort gebraucht und zum Vergleich werden andere Jobs herangezogen, die „viel wichtiger“ sind, aber nicht so gut bezahlt werden. Völlig überbezahlt, diese Fußballer! Aber stimmt das auch tatsächlich?

Ein Bundesligaspieler verdient im Durchschnitt rund 1,34 Millionen Euro im Jahr[1]; die Zahlen zu den unteren Ligen sind umstritten, das jährliche Gehalt in der zweiten Bundesliga dürfte im Durchschnitt aber bei etwa 450.000 Euro liegen. In der dritten Liga sind es „nur“ noch etwa 116.000 Euro[i].

Das klingt nach viel Geld, aber man muss hier auch bedenken, welche enormen Geldsummen der Fußball umsetzt. In der Bundesliga fließen rund 65% des Umsatzes in die Spielergehälter[ii] – das ist nicht außergewöhnlich viel[2], vor allem, wenn man bedenkt, dass die Spieler die Zugpferde des Umsatzes sind. Einfach ausgedrückt: Fußballer verdienen, was der Markt hergibt. Sie sind nicht „überbezahlt“, ihre Profession setzt so viel Geld um, dass hohe Gehälter entstehen.

Aber, wird einem jetzt entgegengeschleudert, ist Fußball nicht nutzlose Spielerei? Ist es nicht moralisch verwerflich, dass Fußballer so viel Geld verdienen, während Menschen in wichtigen Berufen wie Lehrer, Krankenpfleger etc. wesentlich weniger bekommen?

Auch hier gilt natürlich: Es ist nicht verwerflich, das zu verdienen, was der Markt hergibt.

Außerdem ist verwunderlich, dass gerade Fußballer für ihren Verdienst angegriffen werden. In vielen Sportarten werden wesentlich höhere Gehälter bezahlt. In der NFL, der amerikanischen Football-Liga, liegt der durchschnittliche Jahresverdienst eines Spielers bei enormen 3,5 Millionen US-Dollar (etwa 3,6 Millionen Euro)[iii]; auch in der Formel 1 liegt er in diesem Bereich. Den höchsten Durchschnittsverdienst haben die Basketballer der NBA – 8,32 Millionen Dollar im Jahr[iv]. Oder wie sieht es bei Schauspielern aus? Genau wie Fußballer und andere Sportler sind diese im Unterhaltungsgewerbe tätig und werden danach bezahlt, wie viele Menschen sie sehen wollen. Ebenfalls wie bei den Fußballern sind die Unterschiede zwischen „Amateuren“ und Topverdienern bei den Schauspielern enorm. Ein Durchschnittsverdienst lässt sich kaum ermitteln, aber die Spitzenschauspieler verdienen Summen, von denen die Fußballer nur träumen können: Will Smith kommt auf etwa 44,5 Millionen Dollar im Jahr, Dwayne Johnson sogar auf 87,5 Millionen[v].

Trotzdem sind es die Fußballer, die als „Scheiß-Millionäre“ beschimpft werden – das sollte dringend überdacht werden…  



[1] Zum Vergleich: Das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland allgemein liegt bei rund 49.000 Euro.

[2] Der Durchschnitt in deutschen Unternehmen liegt bei rund 60%, wird aber durch einige Wirtschaftszweige nach unten gezogen, in denen die Personalkosten sehr niedrig gehalten werden und nur einen kleinen Teil des Umsatzes ausmachen – in der Gastronomie z.B. nur rund 30%.

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