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IRRTUM: Für ein Elfmeterschießen kann man nicht trainieren

 Noch heute meinen manche Profi- und viele Amateurtrainer, es habe keinen Sinn, für ein Elfmeterschießen zu trainieren. Der Druck, der im Ernstfall auf dem Schützen liegt, sei nicht zu simulieren, daher erübrige sich jedes Training von vornherein.

Aber das ist offensichtlicher Unsinn. Denn Druck im Ernstfall lässt sich durch gute Vorbereitung und das Entwickeln von Routinen und Automatismen senken[i]. Das ist schließlich der Grund, warum nicht nur Manager, sondern auch Schüler und Studenten wichtige Vorträge vorher schon einmal zur Probe durchgehen. Dazu kommt: Auch ein Pass im Training erfolgt unter viel weniger Druck als ein wichtiger Pass im WM-Finale vor Millionen von Zuschauern. Trotzdem würde niemand behaupten, es sei sinnlos, Pässe zu trainieren.

Der Sportwissenschaftler Daniel Memmert meint, auch mental könne man sich im Training vorbereiten und den Druck sogar ansatzweise simulieren: „Der Trainer könnte zum Beispiel sagen: Wer das Elfmeterschießen im Training verliert, muss die anderen beim Abendessen bedienen. Indem man mit Konsequenzen droht, die keiner gerne spürt, baut man etwas Druck auf“, schlug er 2018 im Interview mit der Zeit vor[ii].

Eine gute Trainingsvorbereitung ist auch im Elfmeterschießen der Schlüssel zum Erfolg; kein Wunder, dass England 2018 endlich wieder ein solches gewinnen konnte, nachdem Trainer Gareth Southgate das Thema fest im Trainingsplan verankert hatte…

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