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IRRTUM: Sex vor dem Spiel ist leistungsmindernd

 Vor der Europameisterschaft 2000 verkündeten die Spieler der schwedischen Nationalmannschaft, während des gesamten Turniers auf Sex zu verzichten. „Wenn ich in der Nacht vor einem Spiel Sex habe“, behauptete der Mittelfeldstar Freddie Ljungberg, „verliere ich jegliches Gefühl in meinen Füßen. Ich bin dann vollkommen leer und kann den Ball nicht mehr kontrollieren.“ Er wollte sich stattdessen auf das abendliche Anschauen von Erotikfilmen beschränken.

Ganz anders sah es der deutsche Nationaltrainer Berti Vogts bei der EM 1996: „Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.“ Wer hat es denn nun richtig gemacht?

Es gibt wohl nur ein anderes Thema, das die Menschen ähnlich stark interessiert wie Fußball: Sex. Und so entspinnt sich vor jedem großen Turnier wieder die Debatte: Sollten die Spieler sich während des Turniers mit ihren Partnerinnen treffen dürfen? Denn Sex vor dem Sport sei ja schließlich leistungsmindernd, wie wir spätestens seit dem ersten Rocky-Film wissen.

Jedoch, die Sportwissenschaft ist da anderer Meinung. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln sagt dazu: „Körperliche Aktivität beim Sex in der Nacht vor einem großen Spiel ist überhaupt kein Problem, wenn es nicht gerade eine wahnsinnige Orgie darstellt.“ Lediglich der gewohnte Schlaf zur Regeneration sei wichtig, der Spieler solle also nicht zu lange aktiv bleiben. Ansonsten gäbe es nur Vorteile, auch psychologisch – Stress und Nervosität würden durch das intime Beisammensein abgebaut. Ähnlich sehen es auch die meisten anderen Experten[i].

Nur bei einer Frage gibt es Uneinigkeit: Wie sieht es ganz kurz vor dem Spiel aus? Froböse meint, in den letzten beiden Stunden vor dem Anpfiff sei von Sex eher abzuraten. Der ehemalige deutsche Nationaltorhüter Sepp Maier („Eine Stunde vor dem Spiel noch mal Sex, das macht schön locker! Zack zack, da geht‘s viel besser“) und Brasiliens Stürmerstar Ronaldo („[Sex kurz vor dem Spiel] ist mein Erfolgsgeheimnis“) vertraten dagegen eine ganz andere Ansicht, und der Sportwissenschaftler Dr. Michael Despeghel stimmt ihnen zu: „Der Zeitpunkt ist egal[ii].“ Er empfiehlt Sex aufgrund der entspannenden Wirkung sogar fürs Aufwärmprogramm, insbesondere für Spieler, die zu Nervosität vor dem Wettkampf neigen.

Übrigens: Während die von ihrem Trainer mit allen Freiheiten ausgestatteten deutschen Nationalspieler bei der EM 1996 den Titel holten, schieden die zölibatären Schweden bei der EM 2000 sieglos in der Vorrunde aus…

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