Das vielleicht schnellste Tor der Länderspielgeschichte erzielte Davide Gualtieri bei einem WM-Qualifikationsspiel im November 1993. Nach nur acht Sekunden brachte der Stürmer seine Mannschaft in Führung. Das Verrückte daran: Seine Mannschaft, das war San Marino, die wohl schlechteste Nationalmannschaft der Welt. Der Gegner war England. Und so blieb es auch nicht bei dem 1:0 für die Außenseiter – am Ende hatten die Briten mit 7:1 gewonnen. Nicht überraschend.
„Wer 1:0 führt, der stets verliert“, lautet schließlich ein alter Fußballspruch, der von Fans immer wieder ausgepackt wird, wenn das eigene Team zurückliegt.
Wahrscheinlich glaubt niemand, dass das „stets“ auch nur ansatzweise korrekt ist – sonst gäbe es ja praktisch keine Siege ohne Gegentor. Aber ist zumindest ein bisschen was dran? Kann der Führungstreffer sich psychologisch als Bumerang erweisen?
Nein. So einfach kann man das beantworten. Die Zahlen sind eindeutig und sogar extremer, als man es vielleicht intuitiv annehmen würde: Die Mannschaft, die das erste Tor in einem Spiel erzielt, gewinnt in etwa 67% der Fälle, in 22% kommt es noch zu einem Unentschieden. Nur in 11% aller Spiele gewinnt die Mannschaft, die das erste Tor kassierte, das Spiel noch[i].
Aber woher kommt dann der Mythos? Ist es wieder mal einer dieser Fälle, in denen eine Regel vermeintlich logisch, aber völlig falsch hergeleitet wird? Nein, es gibt tatsächlich einen realen Hintergrund des Sprichworts: Zwischen 1954 und 1966 endete das WM-Finale stets mit der Niederlage der Mannschaft, die mit 1:0 in Führung gegangen war[ii], und genau auf dieses Phänomen bezog sich der Spruch.
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