Direkt zum Hauptbereich

IRRTUM: "Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu" ist der sinnlose Spruch eines planlosen Fußballers

Ein weiterer Fall aus der Kategorie „Fußballersprüche, die in jeder Sammlung auftauchen“ ist das Bonmot „Erst hatten wir kein Glück, und dann kam noch Pech dazu“, das Jürgen Wegemann zugeschrieben wird, der in den 80ern für Borussia Dortmund und Bayern München aktiv war.

Normalerweise, wenn wir in diesem Blog solche Zitate thematisieren, kommt am Ende heraus: Der berühmte Spruch wurde in Wirklichkeit nie gesagt. Aber das ist hier nicht der Fall – Spruch und Zuschreibung stimmen, Wegemann hat das tatsächlich gesagt.

Warum also taucht der Spruch hier auf? Weil er völlig zu Unrecht als saublöde Aussage gewertet wird, die mal wieder die Dummheit von Fußballprofis zeigt. Kein Glück haben und Pech haben, das ist doch doppelt gemoppelt?

Aber nein: Kein Glück haben und von Pech geschlagen werden ist durchaus ein Unterschied. Wer mit seinem Lotterielos nichts gewinnt, hat kein Glück gehabt. Wer sich außerdem an seinem Los in den Finger schneidet und eine Blutvergiftung holt, der hat darüber hinaus auch noch Pech gehabt.

Gerade im Fußball ist dieser Unterschied recht klar auszumachen:

Kein Glück hat man, wenn man in 50:50-Situationen das schlechtere Ende für sich hat, etwa, wenn ein aussichtsreicher Torschuss nicht ins Tor geht, sondern an den Pfosten. Pech kommt dazu, wenn man von zusätzlichen Rückschlägen getroffen wird, etwa der Verletzung eines Schlüsselspielers.

Und genau so hat Wegmann selbst seinen berühmten Spruch auch gemeint, wie er auf Nachfrage eines Reporters später erklärte.

„Erst hatten wir kein Glück, und dann kam noch Pech dazu“ ist kein hirnloser Nonsensspruch sondern eine durchaus brauchbare Spielanalyse – und hat als solche in den Sammlungen kurioser Fußballsprüche eigentlich nichts verloren…

 

Quelle: Rasper, Martin: „No sports“ hat Churchill nie gesagt. München 2024


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

IRRTUM: Eine Doppelbestrafung (Rote Karte und Elfmeter für ein Foul) ist verboten

 Vor ein paar Tagen hatte die deutsche Frauennationalmannschaft bei der Europameisterschaft einen herben Rückschlag zu beklagen: Das letzte Vorrundenspiel gegen Schweden ging mit sage und schreibe 1:4 verloren. Ein Aspekt des Debakels: Beim Stand von 1:2 klärte Abwehrspielerin Carlotta Wamser einen Torschuss mit der Hand auf der deutschen Torlinie – Platzverweis für Wamser und Elfmeter für Schweden. Fridolina Rolfö verwandelte zum 3:1 aus schwedischer Sicht. Und in Deutschland gab es einen Aufschrei. Denn man wurde ja doppelt bestraft – mit einer roten Karte und einem Elfmeter! Und ist nicht die Doppelbestrafung (manchmal auch als Dreifachbestrafung bezeichnet, weil ja auch noch eine Sperre für den Rotsünder folgt) heutzutage verboten?   Nein. Die so oft diskutierte „Abschaffung der Doppelbestrafung“ bezieht sich auf eine ganz bestimmte Situation, nämlich auf die sogenannte Notbremse. Eine Notbremse liegt vor, wenn eine direkte Torchance durch ein Foul vereitelt wird. Bi...

IRRTUM: Ball gespielt ist nie ein Foul

  Im letzten Beitrag haben wir uns mit dem Mythos beschäftigt, nur der sogenannte „letzte Mann“ dürfe eine rote Karte für ein torverhinderndes Foul sehen. Aber ein anderer Mythos ist noch verbreiteter und noch falscher: „Es ist nur ein Foul, wenn der Ball nicht gespielt wurde!“ Diese Überzeugung treibt in den sozialen Medien wilde Blüten. Da wird dann eine brutale Grätsche von hinten Bild für Bild analysiert, um herauszufinden, ob der grätschende Spieler irgendwann im Bewegungsablauf den Ball leicht touchiert hat – um dann stolz zu verkünden, die Szene sei ja wohl kein Foul gewesen, sondern „Ball gespielt“. Aber tatsächlich spielt es praktisch überhaupt keine Rolle, ob bei einem Foul der Ball gespielt wurde oder nicht. Foul ist Foul, unabhängig von einer Ballberührung. Die offiziellen Fußballregeln enthalten in der Erläuterung der Vergehen, die zu einem direkten Freistoß (bzw. zu einem Strafstoß) führen und in der Definition der Schwere eines Fouls nicht einen einzigen Satz...

IRRTUM: Es gibt keinen Bayernbonus, und Fehlentscheidungen gleichen sich im Laufe einer Saison aus

  Zu den meistdiskutierten Phänomenen in der deutschen Bundesliga gehört zweifelsohne der sogenannte „Bayern-Bonus“. Der Vorwurf der Fans aller deutschen Vereine außer dem FC Bayern München: Die Bayern genießen einen besonderen Schutz, ja nachgerade eine Unterstützung durch die Schiedsrichter. Fällt ein Bayernspieler im gegnerischen Strafraum, dann gibt es sofort Elfmeter; im Strafraum der Bayern kann dagegen nach Belieben und folgenlos gezogen und getreten werden. Wer gegen Bayern spielt, sieht für ein gelbwürdiges Foul gerne mal Rot, wer für Bayern spielt dagegen auch für klar rotwürdige Fouls schlimmstenfalls Gelb. Und führen die Bayern dann am Ende der 90 Minuten knapp, wird sofort abgepfiffen; liegen sie hingegen knapp zurück, wird das Spiel so lange verlängert, bis sie endlich zum Ausgleich treffen. Bayernfans und -funktionäre bezweifeln diese Sicht naturgemäß, schieben sie auf Neid und Missgunst und behaupten, einzelne Fehlentscheidungen glichen sich im Laufe einer Saiso...