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IRRTUM: Nach einem eigenen Tor sind Mannschaften besonders anfällig

 Ein unvergessliches Gegentor kassierte Bayer Leverkusen im April 2004 in der Bundesligapartie bei Schalke 04. Leverkusens Torhüter Hans-Jörg Butt, etatmäßiger Elfmeterschütze der Werkself, hatte gerade einen Strafstoß verwandelt und jubelte vor den mitgereisten Fans, als der Ball an ihm vorbei in sein unbewachtes Tor segelte. Was war passiert? Die Schalker hatten den Anstoß ausgeführt, sobald die jubelnden Leverkusener sich alle in ihrer Hälfte befanden, und Mike Hanke hatte direkt vom Mittelkreis aufs leere Tor abgezogen. Der kuriose Anschlusstreffer, direkt nach Butts Tor.

Eine Ausnahmesituation, klar – aber nach Meinung vieler Fans und Experten dennoch ein Beispiel für eine Gesetzmäßigkeit des Fußballs. Denn direkt nach einem eigenen Treffer ist eine Mannschaft besonders anfällig für ein Gegentor.

Diese weit verbreitete Annahme fällt in eine ähnliche Kategorie wie das „Tor zum psychologisch ungünstigen Zeitpunkt“ und wird meist ähnlich küchenpsychologisch begründet: Überwältigt von der Euphorie nach dem eigenen Treffer verlieren die Spieler die Konzentration, was der Gegner ausnutzen kann. Und hier enden die Ähnlichkeiten zum „psychologisch ungünstigen Zeitpunkt“ noch nicht. Denn: Auch dieser Mythos ist längst widerlegt, und auch in diesem Fall durch den Londoner Psychologieprofessor Peter Ayton. Der analysierte in 127 Spielen der Premier League, die 1:1 endeten, wie lange nach dem Führungstreffer der Ausgleich gefallen war. Dafür unterteilte er die verbleibende Spielzeit nach dem 1:0 in vier gleich lange Viertel und notierte, in welchem dieser Viertel der Ausgleich erzielt wurde. Dem Mythos nach müssten besonders viele Tore im ersten Viertel fallen, doch das war nicht der Fall. Mit Abstand am gefährlichsten war das vierte Viertel – wenn die zurückliegende Mannschaft kurz vor Schluss noch einmal alles nach vorne warf[i]



[i] Biermann, Christoph: Die Fußball-Matrix. Köln 2009

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